Das „Sistema Casa“ der Provinz Verbano Cusio Ossola

Das „Sistema Casa“ der Provinz Verbano Cusio Ossola steht in einer langen Tradition: Produkte der Gegend wurden schon beim Bau des Mailänder Doms (Candoglia-Marmor) und für den Königspalast in Bangkok (rosafarbener Bavener Granit) verwendet. Es stattet die elegantesten Häuser aus, indem es alltägliche Gebrauchsgegenstände in echte Designerstücke verwandelt, die von Größen wie Alessi, Bialetti, Girmi, Lagostina oder Calderoni signiert wurden.

Einige der feinsten Waren aus italienischer Produktion stammen daneben aus dem dichten Netz von Handwerksbetrieben und kleinen und mittleren Unternehmen, in denen sich die solide Tradition mit beachtlicher Innovationskraft verbindet.

Verbano Cusio Ossola

Die Provinz Verbano Cusio Ossola gehört zur Region Piemont und liegt am Lago Maggiore, nur 100 km von Mailand entfernt. Sie ist mit der Schweiz über den Simplon-Pass verbunden.
Die Schätze der Natur werden seit Jahrhunderten von einem lebendigen ortsansässigen Unternehmertum genutzt. Der Reichtum an Holz, Stein, Wasser und die vielen bedeutenden Verbindungswege in der Region wie der Simplon-Pass sowie die Nähe der lombardischen Ebene mit der Hauptstadt Mailand haben die Entwicklung stark gefördert. Diese Entwicklung indes hätte ohne den Unternehmergeist, das Durchhaltevermögen und die Kreativität der hiesigen Handwerker, Industriellen, Händler und Bauern nicht stattfinden können. Die Provinz Verbano Cusio Ossola hat in der italienischen Wirtschaft eine Schlüsselrolle gespielt: etwa mit der ersten mechanischen Baumwollspinnerei des Landes oder mit der ersten Anlage zur Fernübertragung von elektrischer Energie. Carlo Sutermeister, ein begabter Unternehmer, baute 1982 die erste hydroelektrische Anlage, die Strom nach Indra, Pallanza und in die umliegenden Orte lieferte. Dabei handelt es sich nicht nur um eine italienische, sondern um eine europäische Neuheit.

Heute sind 35 % der 62.000 Arbeitnehmer der Provinz im produzierenden Gewerbe beschäftigt. Daneben gibt es eine starke Konzentration auf dem touristischen und kommerziellen Sektor sowie im Mineralbergbau. Auf die verarbeitende Industrie entfallen 26 % des Mehrwertes der Provinz; sie liegt damit über dem Mittelwert für ganz Italien (23,3 %). Tourismus und Handel dagegen verzeichnen mit 19,7 % einen Wert, der weit über dem Landesdurchschnitt liegt.
Bedeutende Investitionen der öffentlichen Hand wie die Schaffung des Technologieparks des Lago Maggiore trugen zur weiteren Entwicklung der Provinz bei.

Die Haushaltsindustrie
Schon in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Gegend von Cusio von einigen Unternehmern mit viel Pioniergeist in ein lebendiges Industriezentrum verwandelt, in dem sich noch heute die Hersteller von Haushaltsgeräten zusammenballen. Dieser „Haushaltswarenbezirk“ gehört zu den bedeutendsten Herstellungszentren von Kochtöpfen, Besteck, elektrischen Haushaltsgeräten sowie Artikeln für Küche und Esszimmer aus Metall und aus Holz. Bei der Herstellung von Stahltöpfen decken die Unternehmen der Provinz 26,9 % der gesamten italienischen Produktion ab.
Das Netz aus einigen Weltmarktführern (Alessi, Lagostina, Girmi, Bialetti) und kleinen und mittelständischen, fest verwurzelten Unternehmen und Handwerksbetrieben, die technologischen Stärken, das produktive Know-how und schließlich die Beschaffenheit der Produkte, die durch Design und Qualität überzeugen, ferner der hohe Ausbildungsstand des Personals – das alles hat zu der überragenden Stellung geführt, die die Provinz auf diesem Gebiet heute innehat.
Hier erfand Alfonso Bialetti das Verfahren zur Herstellung von Espresso mit der berühmten Mokka-Express-Maschine – der italienischen Kaffeemaschine par excellence, von der in den letzten 80 Jahren mehr als 200 Millionen Exemplare hergestellt wurden. Die Firma Lagostina begann – ebenfalls hier – gegen Ende der 50-er Jahre mit der Herstellung des fast drei Jahrhunderte zuvor von dem Franzosen Denis Papin erfundenen Dampfkochtopfes. Mehr als 20 Millionen Stück wurden seitdem davon verkauft. Auch die Familie Alessi führt in ihrem Unternehmen eine lange handwerkliche Tradition fort. Ein Klassiker die Mokka von Bialetti

Quelle: Video, Bild Bialetti Industrie

Carlo Lagostina gründete 1901 ein Unternehmen zusammen mit seinem Sohn, der in Stuttgart Ingenieurwesen studiert hatte. Alfonso Bialetti entwickelte die Technik des Schmelzens von Aluminium in der Gießform weiter, die er in Frankreich und bei Fiat in Turin kennen gelernt hatte. In den 50-er Jahren importierte die „Subalpina-Kooperative“ aus den USA das Konzept der kleinen Haushaltsgeräte und schuf Küchenmaschinen und Kaffeemühlen bis hin zum berühmten Mixer „Girmi“, der dem ganzen Unternehmen seinen Namen gab.


Quelle: Archiv Bilder, Presseabt. GIRMI, LAGOSTINA, BIALETTI

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden viele Familienunternehmen, die auch heute noch zum großen Teil von den Erben der Unternehmensgründer geführt werden. In den 30-er Jahren wurde eine neue, grundlegende Neuerung eingeführt: der rostfreie Stahl, dessen Verarbeitung sich schnell durchsetzte, Dank der leichten Einführung von Deutschland aus über den Simplon-Pass.
Der „Haushaltswarenbezirk“ entwickelte sich in den 50-er Jahren rasend schnell weiter. Zu dieser Zeit gerieten einige große Textilien und Stahl verarbeitende Unternehmen in die Krise. Die Firmen dagegen, die fest in der Gegend verwurzelt waren und die über Jahrzehnte hinweg gereiften technischen Kompetenzen nutzen konnten, erlebten einen Aufschwung. Unter den Innovationen sind vor allem die neuen Kommunikationsmittel zu nennen, durch die die Produkte in Italien und in der ganzen Welt bekannt gemacht werden konnten. Neue Technologien bestanden unter anderem in der Verwendung von Thermoplan-Böden und der Dampfkoch-Technik, durch die die Kochzeit und damit die Kosten ohne Geschmacksverluste verringert werden konnten.
Die große Innovationskraft und die Mitarbeit von einigen der bekanntesten italienischen Designer machen aus Produkten „made in Verbano Cusio Ossola “ vielseitig verwendbare Artikel: sie können im professionellen Bereich, in Großküchen und Hotels genauso eingesetzt werden wie am heimischen Herd und Küchentisch, der durch die eleganten Formen eine beträchtliche Aufwertung erfährt.

Alessi Geschichte  Bilder 


Quelle Bilder: ALESSI Presseabt.

Dank für die Mitarbeit geht an:
Handelskammer für Industrie, Handwerk und Landwirtschaft der Provinz Verbano Cusio Ossola