Albini, Franco

Bild Architekt und Möbeldesigner

Als die junge Anna Castelli Ferrieri 1942 in das Mailänder Studio des damals bereits hochgeschätzten Architekten Franco Albini eintrat, zeichnete sie als erstes sein berühmtes Hängeregal. Am nächsten Tag fand sie auf ihrem Schreibtisch eine Notiz vor, in der Albini sie bat, die Lineale unbedingt an jedem Abend ordentlich aufzureihen und die Geodreiecke genau daran anzupassen. Franco Albini verlangte Perfektion. Ob er wie bei seinen Hängeregalvariationen in den 40er Jahren ein hinreichend bekanntes Produkt neu interpretierte, indem er die in einem Holz- oder Metallrahmen eingelassenen Glasböden an Metallketten aufhängte und dem Möbel damit die doppelte Funktion von Regal und Raumteiler zudachte, oder ob er bereits vor dem Zweiten Weltkrieg den Prototyp eines durchsichtigen Radios vorstellte, bei dem die konstruktiven Komponenten zwischen zwei rechteckigen Glassscheiben gepresst waren - viele von Albinis Entwürfen waren in ihrem Minimalismus und in ihrer klaren Konstruktion ihrer Zeit, in der eher Behäbig-Repräsentatives gefragt war, weit voraus. Das Radio ging nie in Produktion. Alessandro Medini hat Albini einmal als "den größten Meister der modernen Architektur Italiens" bezeichnet.
Die Architektur war sein Hauptbetätigungsfeld, aber er gehörte auch u den frühen Protagonisten des modernen italienischen Designs. Schon 1936 hatte er mit der Stanza per un'uomo (Zimmer für einen Menschen) einen progressiven Triennale-Beitrag geliefert. Er gestaltete einen winzigen Raum, in dem jedem Element eine oder mehrere klar definierte Funktionen zugeteilt waren: In eine Regalwand war eine Tischplatte integriert, die Leiter, über die man das Bett wiederum schloss den Raum nach oben hin ab. Mit diesem Projekt definierte Albini die minimalsten Anforderungen an einen gestalteten Lebensraum. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges engagierte Albini sich nicht nur theoretisch intensiv in den aktuellen Diskussionen um die sozialen Aufgaben von Architektur und Design (u.a. als Herausgeber der Zeitschrift "Casabella", als Mitglied des Congresso Internazionale di Architettura Moderna (CIAM) und als Professor für Architektur), sondern er knüpfte mit seinen architektonischen Arbeiten und Möbelentwürfen auch praktisch an seine bereits vor dem Krieg gewonnenen, stark von der Moderne beeinflussten Vorstellungen an. Der Stuhl Luisa für Pioggi (einen auf Holzmöbel spezialisierten Hersteller, dessen Profil Albini in den Nachkriegsjahren maßgeblich prägte), der Korbsessel Margherita für Bonacina und der Sessel Fiorenza für Arflex festigten Albinis Ruf als Meister reduziert-spröder, aber nie blutleeren Formen, der souverän mit den unterschiedlichsten Materialien umging.
Eines seiner komplexesten Projekte bietet heutigen Besuchern Mailands immer noch Orientierung: Gemeinsam mit seiner Partnerin Franca Helg und dem Grafiker Bob Noorda gestaltete er Anfang der 60er Jahre die U-Bahnhöfe der Linie 1 und deren Leitsystem.

*1905: Robbiate (Como)
-1977: Mailand

- 1929: Abschluss seines Architekturstudium in Mailand
- 1930: Eröffnung seines eigenen Architektenbüro
- 1945: Herausgeber von "Casabella" (bis 1946)
- 1949: Professor für Architektur, Venedig und Turin (bis 1963)
- 1950: Umbau des Palazzo Bianco und des Museums in Genua (beides mit Franca Helg)
- 1952: Mitarbeit bei Franca Helg; Museo del Tesore di San Lorenzo, Genua
- 1955: Compasso d'oro (auch 1964)
- 1957: La Rinascente-Kaufhaus, Rom (bis 1961)
- 1958: Architekturpreis Premio Olivetti
- 1962: Mitarbeit Antonio Piva
- 1964 Professor für Architektur-komposition, Mäilander Polytechnikum (bis 1977)
- 1965: Mitarbeit Marco Albini

Produkte
- 1936: Triennale-Ausstellungsbeitrag Stanza per un'uomo
- 1938: Prototyp für tragbares, durchsichtiges Radio
- 1939: Hängeregal (bis 1949)
- 1950: Korbsessel Margherita für Bonacina
- 1952: Sessel Fiorenza für Arflex
- 1954 Stuhl Luisa
- 1956: Liege PS 16 beide für Pioggi
- 1962: U-Bahn-Station der Linie 1, Mailand (bis 1969) mit Franca Helg und Bob Noorda
- 1967: Sideboard Credenza mit Franca Helg


Design Beispiel: Sessel Fiorenza für Arflex


Design Beispiel

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