Santachiara, Denis

Bild Industrie-, Möbel- und Leuchtendesigner

Denis Santachiaras Sister Chairs für die Vitra Edition (1987) sind eigensinnige Wesen. Timida errötet, wenn man das Wort an "sie" richtet, Espansiva bläht sich auf, sobald die Körpertemperatur des Sitzenden steigt, Volubile dagegen wechselt bei Körperkontakt die Farbe. Objekt und Benutzer treten in Interaktion miteinander - und genau das und ein unkonventioneller Umgang mit Technologien interessieren Denis Santachiara: "Je mehr Tricks ein Taschenspieler kennt, desto besser kann er Illusionen und Entzücken erzeugen." Anders als die meisten seiner Kollegen hat er nicht am seriösen Mailänder Polytechnikum Architektur studiert, sondern Mitte der 60er Jahre 16Jährig als Autodidakt im Automobildesign angefangen. Bis heute findet sich das Thema Bewegung - vielleicht aus dieser ersten Erfahrung heraus - immer wieder in seinen Entwürfen: ob er den Luftstrom eines Föns nach Wunsch steuerbar macht und ihm Duftstoffe beimischt oder ob mit der Nachttischleuchte Notturno Italiano Schlaflosen Rettung bietet, indem diese nach dem Ausschalten Schäfchen an die Wand projiziert. Viele von Santachiaras Ideen sind Prototypen geblieben, kleine poetische Zaubereien, die sich nicht immer für die Serie eignen. Dennoch unterstützen ihn Unternehmen wie Italtel, für das er mit Franco Raggi und Alberto Meda 1986 eine multifunktionale Workstation entworfen hat, oder Stil Resine. Die Klingel seines Plastic Bicycles (1989) schmettert Melodien der fünf berühmtesten Verdi-Opern, und der Zähler listet die beim Radeln verbrauchten Kalorien auf.
Santachiaras animierte und bewegliche Objekte bereiten aber nicht nur ein fast kindliches Vergnügen, sondern machen bekannte Funktionen "anders" sichtbar und verändern dadurch die Wahrnehmung. Das macht sie so innovativ. Er sagt: "Als Designer bin ich nicht an den 'Materialwundern' der technologischen Front interessiert, sondern an ihren immateriellen Ausdehnungen." Jüngster Coup Santachiaras ist Pisolò, ein Hocker, der sich dank eines integrierten kleinen Elektromotors binnen Sekunden in ein Bett mit Nachtisch verwandelt.

*1951, Campagnola
- 1975: Erforschung der "soft technology";
- 1990: Gründet die Firma Domodinamica mit Cesare Castelli
- 1986: Workstation, Prototyp für Italtel Telematica mit Franco Raggi und Alberto Meda; Diskothek Epsylon in Reggio Emilia
- 1987: Raumbelüftungsgerät Mistral für Dilmos; Prototyp Sister Chairs für Vitra Edition
- 1988: Thunderstrom Kit für Dilmos
- 1989 Stuhl Oxalis für Cidue; Sessel Mama für Baleri
- 1990: Kollektion Domodinamica oggetti animari per la casa
- 1993: Leuchte Notturno Italiano für Domodinamica


Design Beispiel: Swing für Domodinamica


Design Beispiel

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